Topinambur Schnaps
In diesem Beitrag wollen wir uns einer weiteren Verwendung der Erdäpfel widmen – dem sogenannten Rossler oder Topinambur Schnaps…
Namensgebend war hierbei die Tatsache, das die Knollen auch Verwendung als Futtermittel fanden, unter anderem für Pferde. So ging es vom Ross zum Rossler…
Was ist Topinambur Schnaps?
Als Topinambur Schnaps wird ein Destillat bezeichnet, welches aus der Knolle der Topinambur gewonnen wird. Diese zählt zu den Korbblütler und somit zur Gattung der Sonnenblumen.
Im 17. Jahrhundert aus dem heutigen Kanada nach Europa eingeführt, fand ihr Siegeszug durch die später ebenfalls eingeführte Kartoffel ein Ende.
Während der Weinkrise im 19. Jahrhundert, hervorgerufen durch die eingeschleppte Reblaus, begann man zunächst in Frankreich, später auch im süddeutschen Raum, die Topinambur zur Herstellung alkoholhaltiger Getränke zu nutzen. Was zunächst mit schwach alkoholischen Getränken seinen Anfang nahm, mündete in den uns bekannten Destillaten.
In Deutschland selbst kam es von 1917 bis 1924 gar zu einem Verbot, die Erdartischocke zu Branntweinen zu verarbeiten. Dieses Verbot begründete sich einerseits auf die zunehmend schlechte Ernährungslage in der damaligen Weimarer Republik und andererseits auf der schlechteren Ertragsfähigkeit der Böden, nach einer Bepflanzung mit Topinambur.
Heutzutage wird der überwiegende Teil der in Deutschland angebauten Topinamburknollen für die Herstellung von Spirituosen verwendet.
Was ist die genaue Bezeichnung des Knollenschnaps
Im von 1922 bis Ende 2017 gültigen Branntweinmonopolgesetz und dem darauf folgenden Alkoholsteuergesetz, wird das Erzeugnis welches bei der Destillation von Topinambur gewonnen wird, als Obstler bezeichnet.
Im Handel hingegen sind auch Bezeichnungen wie „Rossler“, „Roter Rossler“ (mit Blutwurz), Topinambur-Branntwein, Topinamburbrannt, Topi oder eben Topinambur Schnaps gebräuchlich.
Wie schmeckt Topinambur Schnaps?
Destillate aus Topinambur haben einen intensiven, leicht erdigen Geschmack und erinnern entfernt an Enzian. Der Geschmack des Topinamburschnaps kann jedoch variieren, sollten in der Verarbeitung weitere Kräuter oder Wurzeln wie Blutwurz, Wacholder oder Kümmel beigegeben worden sein.
Das Spektrum recht dann von nussig bis leicht süßlich. Sollten die Topinambur Knollen nicht sorgfältig gereinigt worden sein, kann es zu einem bitteren Geschmack kommen.
Topinambur Schnaps kaufen
Wer Topinambur Schnaps kaufen möchte, jedoch nicht aus dem süddeutschen Raum kommt, erhält diesen heutzutage relativ problemlos in diversen Webshops oder auf den bekannten größeren Handelsplattformen. Wer jedoch aus der Region Baden-Württemberg stammt oder in dieser seinen Urlaub verbringt, kann auch direkt in entsprechenden Brennereien und Hofläden fündig werden.
Hier eine kleine Auswahl an Bränden:








Ist Topinambur Schnaps gesund
Grundsätzlich ist Topinambur ein gesundes Wurzelgemüse, da es fett- und kalorienarm ist und mit 16 bis 20% Kohlenhydrate in Form von Inulin beinhaltet. Das macht Topinambur insbesondere für Diabetiker interessant. Jetzt allerdings zu behaupten Topinambur Schnaps bei Diabetes ist eine gesundheitsfördernde Maßnahme, wäre fahrlässig!
In vielen Regionen wird Topinambur Schnaps als sogenannter Magenschnaps geschätzt und soll der Verdauung nach reichlichen Speisen zuträglich sein. Nichtsdestotrotz bleiben alle bekannten Nebenwirkungen von Alkohol auch bei Topinambur-Obstlern erhalten. Gerade Diabetiker sollten ihren Blutzuckerspiegel beim Genuss von Alkohol im Auge behalten und lieber etwas engmaschiger kontrollieren. Auch wenn gesagt wird das Topinambur Schnaps gesund sei, führt der Konsum unweigerlich, wie bei jeder Einnahme von Alkohol, zunächst zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegel und anschließend starken Abfall. Da die Leber mit Abbauprozessen des Alkohol beschäftigt ist, ist diese nicht im Stande ausreichend Glukose ins Blut auszuschütten. Gefahr von Unterzuckerung besteht!
Topinambur Schnaps: Schwarzwald
Topinambur Schnaps aus dem Schwarzwald hat eine lange Tradition, die sich in einer Vielzahl bäuerlichen Brennereien widerspiegelte. Noch heute stammen zahlreiche Destillate aus dieser Region.
Der Ursprung ist hauptsächlich im Verbreitungsweg der Knolle zu finden. Fand diese doch über Elsaß-Lothringen ihren Weg nach Deutschland.
Im badischen Raum setzte sich die Knolle auch aufgrund der Tatsache durch, dass das Grün der Topinambur-Pflanze ebenfalls als Futtermittel genutzt werden konnte.
Topinambur Schnaps selber machen
Mit dem auslaufenden Branntweinmonopolgesetz und dem folgenden Alkoholsteuergesetz, ist es in Deutschland leider auch nicht mehr erlaubt, Kleindestilliergeräte mit einem Fassungsvermögen bis zu 0,5 Liter zu nutzen. Als Privatperson Topinambur Schnaps herstellen, ist zumindest in Deutschland, seit dem 01.01.2018 eine Straftat. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, hat dies steuerrechtliche Gründe…
Somit ist Verschluss- und Abfindungsbrennereien vorbehalten, die Destillation zur Alkoholgewinnung zu nutzen. Damit wären wir auch schon bei der einzigen Möglichkeit die innerhalb der bundesdeutschen Grenzen verbleibt, sollten Sie dennoch ihren eigenen Topinambur Schnaps herstellen wollen.
Der Umweg über eine Abfindungsbrennerei…
In dieser ist es Ihnen möglich bis zu 50 Liter reinen Alkohols aus ihren Erzeugnissen herstellen zu lassen.
Dafür wiederum brauchen Sie eine Brennerlaubnis. Diese wird beim zuständigen Hauptzollamt beantragt. Der Nachweis einer wirtschaftlichen Notwendigkeit und das Sie ihr Kontingent vermutlich ausschöpfen werden, gehören ebenso dazu.
Haben Sie diese Hürden genommen, bedeutet das auch, das ihre Abfindungsbrennerei das festgelegte Kontingent – ja tatsächlich, da wird nicht gebrannt was möglich ist, sondern was das vorgeschriebene Kontingent erlaubt – noch nicht aufgebraucht hat.
Als mehr oder weniger eigener Schnapsbrenner, haben Sie nur auch das Vergnügen eine Alkoholsteuer abzuführen…
In der Theorie